Der Wind weht. Über der weiten Steppe braut sich ein Sturm zusammen. Der Wind zieht seine Kreise – erst weite, dann immer enger werdende.
Langsam braut sich in der Atmosphäre ein Wirbelsturm zusammen.
Auf einer Anhöhe steht er, Schwarzer Büffel und blickt weit über das Land. Er riecht den Wind, er hört den Wind und er atmet mit ihm. Schwarzer Büffel fühlt deutlich das Zentrum des Windes hoch oben in der Atmosphäre. Und er weiß, dass nun seine Zeit gekommen ist.
Noch einmal wirft er einen Blick auf seine Herde, die er nun so lange geführt hat. Sie steht unten im Tal, in einem Kessel, wo sie geschützt ist. Die älteren haben die jungen Kälber in die Mitte genommen. Und etwas weiter am Rand steht Brauner Büffel, Schwarzer Büffels ältester Sohn. Schwarzer Büffel ist stolz auf ihn. Er hat seinem Sohn alles weitergegeben, was er, wie alle Anführer einer Herde, von seinen Vätern geerbt hat. Das Wissen der Ahnen – das Wissen, welches alle Büffel seit allen Zeiten in sich tragen. Das Wissen um ihre Heimat, die Sternenwelten. Das Wissen um die Schöpfung der Erde und den Platz, den die Büffelfamilien darin einnehmen. Das, und vieles mehr, hatte immer Platz in seinem Herzen gehabt, und mit Freude und Liebe hat er es an seine Söhne weitergegeben.
Wie alle Söhne, so hatte auch Brauner Büffel etwas Neues mitgebracht. Etwas Neues wurde durch ihn in die Herde geboren und dadurch durfte es auf die Erde kommen. Doch diese Geschichte gehört Brauner Büffel und wird einmal von ihm selbst erzählt
Schwarzer Büffel lässt sein Leben noch einmal in seinem Inneren an sich vorüber ziehen. An die besonderen Stunden, in denen er Einweihungen erfahren hat, erinnert er sich mit großer Dankbarkeit. Einweihungen durch seinen Vater, seine Ahnen und ganz besonders – und dabei wird sein großes Herz ganz stille – durch Sternenfrau.
Sternenfrau mit ihrem Silberhaar und ihrem Silberlachen. Mondlicht in ihrem Haar und Sternenglanz aus allen Universen…in einer Mondnacht vor vielen Jahren war sie zu IHM gekommen. Tiefe Dankbarkeit und Andacht erfüllten ihn auch heute noch.
Der Sturm war nun stark genug worden und die Wolken hatten sich zu einer dichten Windhose zusammengeschoben. Schwarzer Büffel wartet nun nur noch auf eins. Seinen geliebten Bruder, sein treuer Begleiter und Gefährte, dem er sich heute hingeben würde.
Schwarzer Büffel hört ihn, wenngleich er fast so unhörbar durch die Steppe gleitet, wie ein Schatten im Mondlicht.
Da setyt Schwarzer Büffel sich in Bewegung, mitten hinein – in das Auge des Sturms. Er fühlt, wie sein Bruder Adlerauge ihm folgt, auf seinen leisen Mokassins.
Und er weiss, das sein Blut in die Erde fließen würde diese Nacht, und seine Seele wieder eins würde mit ihr, der großen Mutter, in deren Armen er sich ausruhen darf, von seiner langen Wanderung, bevor es ihn wieder rufen würde. Der ewige große Kreislauf sollte geschlossen werden.
Beide sind sie im Auge des Sturms angekommen. Schwarzer Büffel lässt sich auf der Erde nieder. Adlerauge, ein junger Krieger, der heute zum Mann wurde durch ihn, kniet vor ihm, verbeugt sich tief vor ihm, bringt ihm sein Messer dar – und wartet .
Der junge Mann zittert, zögert, einen Moment. Doch Schwarzer Büffel legt sich ihm hin, seinem Freund. Ganz frei.
Da spüren beide die große Gegenwart des Einen und der Einen. Der große Geist und die grosse Mutter sind gegenwärtig. Sind der Anfang und das Ende von allem. Und Adlerauge und Schwarzer Büffel spüren, wie sie eins sind. Und warten, bis sie nichts mehr kennen als die Einheit mit allem was ist. Eine tiefe Stille umfängt alles und die tiefe Liebe hinter aller Schöpfung, die stetige Veränderung ist, erfüllt ihre Herzen.
Da verlässt Schwarzer Büffel seinen Körper.
Und das Blut fliesst zur Erde zurück und der Geist kehrt nach Hause.
Und der Atem ist wieder eins mit dem Wind.
In jener Nacht kehrte alles an seinen Platz zurück.
Und es war gut so.





